In der Stiftskirche in Tübingen wurden im Herbst 2024 die Bänke abgeschraubt und hinter der Kirche aufgeschichtet und gelagert.
- Bänke, hinter der Kirche
Fünf Wochen lang war die leere Stiftskirche eine Bühne für neue Gottesdienstformate, Meditationen, liturgische Tänze, Konzerte, Lesungen, Filme, Vorträge, Mahlzeiten, eine Clubnacht und verschiedene Tanzperformances.
Leer_raum hieß das Projekt. Eine Lichtinstallation von Joachim Fleischer verwandelte die Bühne in eine Lichtskulptur. In diesem hybriden Raum der Transzendenz überlagerten sich kulturelle und religiöse Angebote und befruchteten sich wechselseitig.
Die Leute kamen. Sie standen in der Clubnacht oder bei Konzerten in langen Schlangen vor der Kirche.
- Clubnacht – vor der Kirche
- Club-Nacht – in der Kirche
Sie saßen dicht gedrängt auf Papphockern und verfolgten wie die Lichtkunst von Joachim Fleischer das Konzert im Rahmen des Gitarrenfestivals begleitete.
Sie standen eng an eng in der leeren Kirche, sangen sich beim offenen Singen mit Patrick Bopp die Seele aus dem Leib. Die Frauen feierten an Biertischen beim Frauenmahl und Marktbesucher feierten beim Marktmahl.
- Frauenmahl
- Frauenmahl
- Marktmahl
Die Leute kamen und sie versammelten sich um Orchester und Chor in der Mitte der Kirche wie um ein spirituelles Lagerfeuer und hörten Haydns Schöpfung.
- Kantorei der Stiftskirche, Ingo Bredenbach
Die Kirche strahlte. Und die Kirche kommentierte. Für die mehr als 50 Veranstaltungen bildete sie einen diskreten religiösen Horizont. Jederzeit war die religiöse Dimenison spürbar. Nie drängte sie sich auf.
Und die Kirche strahlte auch weit hinein in die Stadtgesellschaft. Leute, die schon lange in der Stadt lebten, aber noch nie in der Stiftskirche waren, wagten zum ersten Mal den Schritt über die Schwelle. Die Clubnacht war Stadtgespräch, auch bei der Jugend, die selten oder nie in die Kirche geht.
Und die Bilanz des Projekts? Auch da glänzte der Leer_raum, glänzte mit guten Zahlen. Ein Team von sechs Personen plante und ein Kreis von circa 50 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen organisierte die Reihe. Es kamen ca. 20 000 Leute. In diese Richtung wird sich die Kirche der Zukunft entwickeln müssen. Sie wird weniger Mitglieder, aber einen Überschuss an Leuten, haben
















